Auf dieser Website (erisisch.de) finden Sie Personen, die von sich selbst sagen, dass sie nicht im Besitz der Wahrheit über irgend etwas sind. Sie finden hier Personen, die mit Offenheit, Freundlichkeit, Elan und Engagement an diese Welt heran treten und sich dennoch nie ganz sicher sind.
Agnostizismus, Dezisionismus, Diskordianismus, Emotivismus, Hypothetischer Realismus, Relationismus, Konstruktivismus, Nonkognitivismus, Relativismus, Skeptizismus, Subjektivismus
Agnostizismus, Dezisionismus, Diskordianismus, Emotivismus, Hypothetischer Realismus, Relationismus, Konstruktivismus, Nonkognitivismus, Relativismus, Skeptizismus, Subjektivismus
Im Folgenden versuchen wir Ihnen möglichst verständlich darzulegen, wie wir zu dieser Position kommen. Für Fragen, Ergänzungs- oder Verbesserungsvorschläge Ihrerseits steht Ihnen unser Forumunser Forum zur Verfügung.
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Sicher wurde Ihnen auch schon diese Frage gestellt. Und in den meisten Fällen folgte dann wohl ein Hinweis auf das „einzig wahre Wissen“. Ein Wissen, dass Sie bisher nur noch nicht als solches erkannt hätten, das aber ganz wichtig für Sie wäre, vorausgesetzt, Sie wollen nicht etwa ewige Qualen erleiden.
Wie verhält sich ein wissenschaftlich orientierter Mensch in einem solchen Fall? Er informiert sich, bildet sich eine Meinung und wird so zum Agnostiker.
Doch ist er damit nicht am eigentlichen Kern der Frage vorbei gegangen? Was fällt denn alles in den Bereich des Glaubens? Ist er nicht vielleicht doch, immer noch und ohne es zu wissen, Anhänger einer subtilen Form von Religion?
«Who is the Master who makes the grass green?» - A Zen Koan
Sehe ich das gleiche Grün wie Sie? Mehr noch: sehen wir überhaupt Gras oder nur etwas, dass uns als solches erscheint?
Vielleicht verhält es sich ja wie in Platons Höhlengleichnis: wir sind an einen Stein gefesselt, sodass wir immer nur eine bestimmte Wand anschauen können. An diese Wand werden allerlei Schatten geworfen. Die Schatten werden von den Dingen erzeugt, die hinter uns durch die Höhle getragen werden. Wir sehen also nur Schatten und alsbald halten wir die Schatten für die realen Dinge, für die Dinge an sich.
Eine Aussage über die Zukunft mache ich in Form einer enumerativen („aufzählenden“) Induktion:

Sprich: Wenn das erste Versuchsergebnis bis zum n-ten Versuchsergebnis meinen Erwartungen entspricht, dann wird auch das nächste, das n+1-te Versuchsergebnis ebenfalls meinen Erwartungen entsprechen.
Uhrwerk-Analogie
Wenn man annimmt, dass im Hintergrund alles nach logisch erfassbaren Gesetzmäßigkeiten funktioniert, kann man sich die Welt als eine große Anhäufung von ineinander greifenden Zahnrädern vorstellen. Mit unseren Theorien und Experimenten versuchen wir zu bestimmen, wie die einzelnen Zahnräder funktionieren. Wir haben schon gute und einleuchtende Theorien über die Funktionsweise vieler dieser Zahnräder, aber wie sollten wir ausschließen können, dass irgendwo ein Zahnrad sitzt, das plötzlich die Funktionalität aller anderen Zahnräder beeinflusst oder gar einen Austauschmechanismus in Gang setzt?
Das Schalter-Display-Gleichnis
Stellen wir uns einen freien Raum vor. Es gibt nur einen Schalter (Aktion) und ein Display (Reaktion). Wir drücken den Schalter und stellen fest, dass das Display aufleuchtet. Wir drücken erneut und wieder leuchtet das Display auf.
Wie sicher können wir in diesem Moment sein, dass das Display beim nächsten Drücken des Schalters erneut aufleuchtet?
Wir drücken einige tausend mal und stets tritt das gleiche Ereignis ein.
Können wir uns nun sicher sein?
Wir treffen in diesem Raum andere Leute, die berichten, dass es schon immer so war, ihr ganzes Leben lang. Wir finden Bücher, die bestätigen, dass es seit Jahrtausenden so gewesen ist.
Können wir uns nun sicher sein?
Wir beginnen also, zu erforschen, wie der Schalter das Display dazu bringt, aufzuleuchten. Wir machen erneut Versuche, aber nun messen wir mit Instrumenten, was im Moment des Drückens genau geschieht. Es stellt sich in den folgenden Versuchen heraus, dass wohl eine Art Energie vom Schalter zum Display fließt. Dieser Energiefluss lässt sich, so scheint es, durch eine Formel darstellen. Aufgrund der Formel machen wir dann Aussagen darüber, wieviel Energie fließt, je nachdem, wie stark man den Schalter drückt. In allen weiteren Versuchen, die wir anschließend machen, erweist sich die Formel als richtig.
Können wir uns nun sicher sein?
Das Problem ist also, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass ein vorhergesagtes Ereignis eintreten wird außer dem Ereignis selbst. Man spricht daher auch vom informationserweiternden Charakter der Induktion, denn die Information, dass das nächste Versuchsergebnis wieder der Erwartung entspricht, wird durch den Beobachter in den Schluss „hineingelegt“.
Die Annahme, dass die Welt sich gleichförmig (uniform) genug entwickelt, so dass man eine sich bewahrheitende Prognose erstellen kann, nennt man Uniformitätsprinzip.
Aufgrund des informationserweiternden Charakters der Induktion ist es also nicht auszuschließen, dass von einem auf den anderen Moment die Erde ein viereckiger Klotz ist oder dass Amerika plötzlich mitsamt seinen Bewohnern auf dem Mond liegt.
Jetzt wird mancher einwenden wollen, dass es doch wahrscheinlicher sei, dass Amerika da bleibt, wo es war. Doch auch Wahrscheinlichkeitsaussagen setzen voraus, dass die Verhältnismäßigkeiten und Abläufe hinter allem uniform bleiben. Es handelt sich bei ihnen ebenfalls die enumerative Induktion: Wenn die erste Studie bis zur n-ten Studie zeigt, dass X Prozent der untersuchten Objekte, der untersuchten Ereignisse Eigenschaft Y besitzen, dann wird auch die nächste, die n+1-te Studie feststellen, dass X Prozent der untersuchten Objekte, der untersuchten Ereignisse Eigenschaft Y besitzen. Kurz, man schreibt dem Auftreten der Eigenschaft Y eine Wahrscheinlichkeit von X Prozent zu.
Ich kann also nicht mit Wahrscheinlichkeit jedoch aber, unter Aufgabe meines Objektivitäts-Anspruchs, mit Evidenz argumentieren: „Es wäre nicht mit meiner Erfahrung vereinbar (= es wäre mir nicht evident), dass Amerika plötzlich auf dem Mond liegen könnte.“
Gibt es objektive Argumentationen? Nehmen wir exemplarisch die Argumentation, warum man Kindern nicht zuviel Zucker geben soll. Ich würde, weil ich dieser Meinung bin, argumentieren, dass Zucker sich schlecht auf die Gesundheit auswirkt. Die Gegenseite könnte nun einfach Fragen: „Warum ist das schlecht?“ Ich würde entgegnen: „Weil die Kinder dann krank werden.“ Die Gegenseite könnte weiter bei ihrer Frage, warum dies schlecht sei, bleiben. Ich würde entgegnen: „Weil sie dann früher sterben.“
Das Problem zeichnet sich spätestens hier ab. Die Gegenseite könnte wieder die Frage „Warum ist das schlecht?“ stellen und ich hätte nur die Möglichkeit diese „Warum …?“-„Weil …!“-Kette weiterzuführen oder zu erwidern: „Weil ich das als schlecht definiere!“
Ich habe also keinen Fixpunkt, von dem aus ich eine „objektive Argumentation“ entwickeln könnte. Die sich dadurch ergebende Gleichwertigkeit aller Argumentationen wird als Isosthenie bezeichnet.
Der Begriff des „Objektiven“ ist somit unhaltbar, denn wie sollte etwas objektiv sein, wenn man es nicht objektiv rechtfertigen kann. Und da „Objektivität“ kein isolierter Begriff ist, sondern Grundlage vieler weiterer Begriffe, ist nicht nur er alleine unhaltbar:
Besonders problematisch wird das Münchhausen Trilemma, wenn man versucht, Normen, wie beispielsweise die Menschenrechte, zu rechtfertigen. So gerne ich sie rechtfertigen würde, ich lande entweder bei einer endlosen Argumentationskette oder bei einem von mir aufgestellten Dogma.
Man kann jetzt zwar einwenden, dass es doch Anschauungen gibt, die jeder teilt, doch wie sollte man den Beweis einer solchen Verallgemeinerung antreten? Schließlich hat sie die Form einer Induktion und somit deren informationserweiternden Charakter. Es wäre wie wenn wir beweisen wollten, dass alle Schwäne weiß sind.
Schlimmer noch: würde man ein solches Evidenz-Argument als Beweis akzeptieren, würde man die Begriffe „subjektiv“ und „objektiv“ gleichsetzen. Dies würde dann pointiert soviel heißen wie „Alles was mir als richtig erscheint, ist es auch!“
Jede Argumentation ist also, objektiv gesehen, gleich haltbar. Würde ich zum Beispiel behaupten, dass wir, weil wir in diese Welt hineingeboren wurden, uns nehmen dürfen, was wir zum Überleben brauchen, würde ich einen logischen Fehlschluss, den sogenannten naturalistischen Fehlschluss, begehen.
Der Begriff „Anfang“ bezeichnet den Beginn einer Kausalitätskette. Der Anfang der Kette A→B→C→D ist A. Das Ende, also das letzte Element der Kausalitätskette, ist D.
Die Begriffe „Anfang“ und „Ende“ funktionieren in diesen Beispiel, weil ich die Kette entsprechend gestaltet habe. Ich hab die Grenzen festgelegt und bestimmt wo die Kette beginnt und wo sie endet. Betrachte ich jedoch meine Umwelt, fehlen diese Grenzen. Habe ich die Absicht, den ersten Grund, die prima causa, zu entdecken, stehe ich vor dem Dilemma, dass entweder etwas aus dem Nichts entstanden ist oder, dass es keinen Anfang gibt.
Es ist mir also nicht möglich, den Grund für irgend etwas anzugeben. Was ich tun kann, ist, auf der Grundlage eines Modells, die Kausaltitätskette vor einem Ereignis soweit zurück zu verfolgen, bis sich mein Wissen erschöpft oder dem Zweck der Überlegung genüge getan zu sein scheint.
Eine Entscheidung, deren Ausgang ich vorhersagen kann, ist nicht frei. Sie ist in ihrem Ausgang festgelegt, das heißt determiniert. Die nicht-determinierte, freie Entscheidung muss also unvorhersagbar sein. Damit sie dies jedoch sein kann, muss sie, zumindest teilweise, unabhängig von der ihr vorausgehenden Kausalitätskette sein. Mit anderen Worten: eine freie Entscheidung muss eine neue Kausalitätskette anstoßen - aus Nichts Etwas werden lassen.
„Willensfreiheit“ baut also auf dem unhaltbaren Begriff „Anfang“ auf und ist somit ebenfalls unhaltbar. Wie auch „Objektivität“ ist „Willensfreiheit“ Grundlage für weitere Begriffe, die ergo auch unhaltbar sind:
Kommunikation setzt voraus, dass sowohl der Sender als auch der Empfänger einer Nachricht wissen, was mit den einzelnen Wörtern der Nachricht gemeint ist. Um aber sicher sein zu können, dass der Empfänger das Gleiche unter der Nachricht versteht wie der Sender, müssten beide eine gemeinsame, vollständige Definition aller Wörter, aus denen die Nachricht zusammengesetzt ist, leisten.
Wenn ich nun aber versuche, ein beliebiges Wort vollständig zu definieren, stoße ich auf ein ähnliches Problem wie wenn ich versuche, schlüssig für etwas zu argumentieren, denn „jede Definition muß definierende Begriffe benutzen; und so können wir es nie vermeiden, letzten Endes mit undefinierten Begriffen zu arbeiten.“2) Und dieses Problem ergibt sich unabhängig davon, ob ich explizit (X ist Y), implizit (X ist etwas, dass die Eigenschaft Y hat), operational (X kann für den Zweck Y verwendet werden) oder deskriptiv (X ist Y mit Eigenschaft Z) zu definieren versuche. Ich würde also vom „Hundertsten ins Tausendste“ kommen - kurzum, ich würde in einer endlosen Definitionskette landen.
Somit ist der Begriff „Verständnis“, bezogen auf die Kommunikation, für mich ein unhaltbarer Begriff, denn bei dem Versuch der Definition dessen, was die einzelnen Komponenten einer beliebigen Nachricht bedeuten, stoße ich auf ein Trilemma, dass mit dem Münchhausen-Trilemma nahezu identisch ist.
Es ist mir also beispielsweise nicht möglich zu behaupten, dass ein Text X die Aussage Y hat, dass ich Person A verstanden hätte oder dass ich selbst wüsste, was ich mit einem bestimmten Wort meine. Ich kann, sofern ich mich möglichst korrekt ausdrücken möchte, lediglich so etwas sagen wie: „Y scheint mir die Aussage dieses Textes zu sein, es ist mir evident, dass ich Person A verstanden habe und ich habe mir ausreichende Klarheit darüber, was ich mit diesen Worten meine.“
Da ich nicht der Illusion erliege, dass es nur ein Modell gibt, mit dem man die Welt beschreiben kann, bin ich mir im Klaren darüber, dass das Modell, mit dem ich eine Sache beschreibe, nicht das einzig mögliche für diesen Zweck ist - es ist vielleicht aber das am besten passendste, das ich kenne. Die Vorstellung von einem wahren Modell, dem Dogma, wird abgelöst durch die Vorstellung von verschiedenen, für mich unterschiedlich wichtigen Modellen, den Katmen.
So ist zum Beispiel der Empirismus in Verbindung mit dem Uniformitätsprinzip (beispielsweise in Form des hypothetischen Realismus) für mich ein wesentlich wichtigeres Katma als das Katma, welches besagt, dass vielleicht alles ein „Schatten“ ist. Jedes Katma hat seine Zeit und im Moment konzentrieren wir uns eben auf jene Katmen, die die „Alltags-Katmen“ aushebeln.
Ich überwinde meinen naiven Umgang mit der Welt dadurch, dass ich mir bewusst mache, was ich über sie sagen kann. Dieser Vorgang entspricht vom Prinzip her Hegels Dreischritt. Dieser funktioniert folgendermaßen:
Zu Anfang hat man das „An-Sich“, eine große Ballung an Information. Daraus schneidet man, um etwas zu beschreiben, ein Stück heraus und erhält das „Für-Sich“. Anschließend wird man sich dieser „negativen Reduktion“, wie Hegel sie nennt, bewusst und erkennt, dass das beschriebene Ding mehr ist als das, was man in Worte gefasst hat. So erhält man das „An-Und-Für-Sich“.
Machen wir hierzu ein Beispiel:
Nun liegt es nicht fern, Hegels Dreischritt in einem größeren Maßstab anzusetzen:
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